Vom Einstieg in den Football über die GFL und den Traum von den USA bis zur #11 der Munich Ravens: Luca Salvo blickt offen auf seine Entwicklung zurück. Er erzählt von 7.000 Fans beim ersten Ravens-Heimspiel, professionelleren Strukturen, der besonderen Verbindung zwischen Receiver und Quarterback und davon, was ihm nach dem Karriereende am meisten fehlt.

01

Luca, viele kennen dich als #11 der Munich Ravens. Wenn du heute auf deine Football-Reise zurückblickst: Welcher Moment hat dich am stärksten geprägt?

Der Moment, der mich am meisten geprägt hat, war wahrscheinlich 2019. Nach nur einem Jahr Football durfte ich bereits in der GFL aushelfen. Da habe ich gemerkt, dass ich besser war, als ich es mir zu diesem Zeitpunkt selbst vorstellen konnte.

Von da an begann der Traum, so gut wie möglich zu werden, um mich mit den Besten messen zu können.

02

Du kommst aus München, warst bei den Munich Cowboys aktiv und hast später bei den Munich Ravens gespielt. Was bedeutet es dir, Football in deiner Heimatstadt erlebt und mitgeprägt zu haben?

München zu repräsentieren, ist für mich immer etwas Besonderes. Ich bin sehr froh, hier leben zu können und für München Football gespielt zu haben.

Es gab allerdings auch Zeitpunkte, an denen man gerne gewechselt hätte. Das hatte aber nichts mit der Stadt zu tun. :)

03

Du hast dich vom Munich-Cowboys-Weg bis auf europäisches Topniveau entwickelt. Was war rückblickend der größte Schritt in deiner Entwicklung als Wide Receiver?

Ich denke, der größte Schritt war der Weg in die USA, um dort auf ein College zu gehen – auch wenn das letztendlich bei mir nur so halb funktioniert hat.

Ich habe aber zwei Jahre dafür gekämpft, überhaupt ein Angebot zu bekommen. Der Wechsel zu den Ravens war anschließend der letzte große Schritt. Sich dort bei Coach Shoop zu beweisen und sich Spielzeit zu erarbeiten, war ebenfalls sehr hart.

04

Wide Receiver ist eine Position, auf der Technik, Timing, Explosivität und Vertrauen zum Quarterback zusammenkommen. Was hat dir an dieser Rolle immer am meisten Spaß gemacht?

Mit seiner Athletik einen Gegenspieler „auszutricksen“ und ihn in die falsche Richtung zu schicken, hat mir immer am meisten Spaß gemacht.

Den Ball anschließend im vollen Sprint zu fangen, ist natürlich die nächste Kunst. Aber der Weg dorthin und das direkte Duell mit einem Gegenspieler waren für mich immer das Höchste.

Man hat außerdem sofort gemerkt, wenn die Beziehung zum Quarterback gestimmt hat – und genauso, wenn man nicht ganz auf einer Wellenlänge war.

05

Die Munich Ravens sind in kurzer Zeit zu einem sehr sichtbaren Football-Projekt in München geworden. Wie hast du die Entwicklung dieses Teams von innen erlebt?

Die Vorbereitung auf das erste Spiel war zunächst ein reiner Überlebenskampf: Schafft man es in den Kader oder nicht?

Dann hat man langsam gemerkt, wie die Werbetrommel angekurbelt wurde, und wir haben bereits mit einigen Menschen im Stadion gerechnet. Und plötzlich stehen dort 7.000 Menschen und jubeln dir zu, obwohl du in dieser Liga noch gar nichts geleistet hast. Das war komplett surreal.

In diesem Moment hat man gemerkt, dass die Ravens vieles richtig gemacht haben. Auch wenn man sich anschaut, wie sich die Organisation bis heute entwickelt hat, ist unglaublich viel passiert.

Angefangen hat alles mit einem sehr kleinen Büro, in dem maximal zwei Personen Platz hatten. Heute gibt es eine richtige Zentrale. Spieler können zur Behandlung kommen, es gibt Räume für Meetings, die Coaches haben ihre Büros und das gesamte Personal arbeitet vor Ort.

Das war ein deutlich sichtbarer Unterschied.

06

Was war für dich der größte Unterschied zwischen GFL-Football und dem Niveau beziehungsweise Umfeld bei den Munich Ravens?

Im ersten Jahr habe ich den Unterschied sofort gemerkt. Zuvor dachte ich mir, dass er eigentlich gar nicht so groß sein könne. Schließlich waren es zum Teil dieselben Spieler, die vorher auch in der GFL gespielt hatten.

Die meisten Teams verfügten allerdings über bessere Trainingsbedingungen und Einrichtungen. Die Spieler konnten bezahlt werden, viele reduzierten ihre Arbeitszeit oder mussten teilweise gar nicht mehr nebenbei arbeiten.

Dadurch lag der Fokus natürlich stärker auf Football. Von uns wurde mehr Professionalität erwartet, gleichzeitig wurde uns aber auch ein professionelleres Umfeld geboten.

Der Kontakt auf dem Feld war nicht unbedingt härter, aber alles war schneller. Die Tackles kamen schneller, man musste seine Routen schneller laufen und auch der Ball kam schneller.

07

Wenn ein Spieler seine aktive Laufbahn beendet oder sich neu orientiert, verändert sich oft der Blick auf den Sport. Wie fühlt sich dieser Übergang für dich an?

Mein Blick auf den Sport hat sich seit meinem Karriereende nicht verändert. Aber ich vermisse es Tag für Tag.

Das Aufhören fällt mir immer noch sehr schwer.

08

Was vermisst man als Spieler vermutlich am meisten: den Gameday, die Kabine, die Vorbereitung, die Jungs – oder etwas ganz anderes?

Ich vermisse es, gemeinsam mit 70 Leuten dasselbe Ziel zu verfolgen und körperlich wie geistig alles dafür zu tun, dieses Ziel zu erreichen.

Sieben Tage die Woche an Football zu denken und diesen Sport auszuüben: das Training, die Jungs, die Spiele – eigentlich alles, was einem dazu einfällt.

Am meisten vermisse ich wahrscheinlich die Jungs.

09

Du hast auch über Social Media und YouTube Einblicke in deinen Football-Alltag gegeben. Wie wichtig ist es aus deiner Sicht, dass europäische Spieler ihre Geschichten selbst erzählen?

Mir war es nie wichtig, die Geschichte unbedingt aus einer europäischen Perspektive zu erzählen. Ich wollte einfach anderen Menschen Einblicke geben und sie vielleicht inspirieren.

Ich denke, das hat ganz gut funktioniert, auch wenn ich in den letzten eineinhalb Jahren meiner Karriere leider keine Zeit mehr dafür hatte.

10

European Football ist gerade im Umbruch. Was läuft deiner Meinung nach gut – und was muss besser werden, damit der Sport langfristig stabil wächst?

Ich finde es sehr schade, dass es nur noch zwei B-Ligen und keine große A-Liga mehr gibt.

Dafür brauchen wir unbedingt eine Lösung.

11

Welche Rolle möchtest du künftig im Football oder rund um den Sport spielen – egal ob auf dem Feld, in den Medien, im Coaching, in der Community oder ganz anders?

In meinen Gedanken bin ich immer noch Spieler.

Ich wäre auch sehr gerne einmal Trainer, aber momentan habe ich weder dafür noch für eine Rückkehr als Spieler die nötige Zeit.

Deshalb hüpfe ich an Spieltagen hier und da einmal herum und gebe meine „Expertenmeinung“ im Fernsehen ab.

12

Wenn Fans später auf deine Zeit als Spieler zurückblicken: Wofür soll der Name Luca Salvo stehen?

Das ist etwas, das ich selbst nicht beeinflussen kann.

Aber schön wäre es, wenn mein Name bei den Menschen ein Lächeln und schöne Erinnerungen hervorrufen würde.

Vielen Dank für das Interview.

Vielen Dank an Luca Salvo für seine offenen und persönlichen Antworten. Sein Interview zeigt, wie schnell aus einem ersten Football-Jahr ein großer Traum entstehen kann – und wie tief die Verbindung zu einem Team, den Mitspielern und dem Sport auch nach dem Karriereende bleibt.