12 Questions mit Roberto Miranda
Roberto Miranda kennt American Football aus mehreren Perspektiven: aus der Jugend in Deutschland, aus dem College Football bei Arizona und aus dem europäischen Profibereich. Im Endzone Europe Talk spricht er über seinen Weg in den Sport, Teamkultur, besondere Karriere-Momente, die Entwicklung des Footballs in Europa und darüber, warum Fans ein wichtiger Teil dieses Prozesses sind.
Im 12-Questions-Interview gibt Roberto Miranda einen ehrlichen und persönlichen Einblick in seine Football-Reise. Er erzählt, warum ihn der Teamgedanke sofort gepackt hat, welche Momente ihm besonders geblieben sind, wie er die Entwicklung des europäischen Footballs sieht und weshalb sein Team nach dem Motto „Go from good to great“ arbeitet.
Roberto, wie hat dein Weg im American Football begonnen?
Mein Weg hat eigentlich ganz einfach angefangen. Ich habe damals bei einem Probetraining in der U19 mitgemacht, weil einer meiner besten Freunde mich eingeladen hatte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine wirkliche Ahnung, was Football ist. Ich war damals noch an der Sportschule in der Leichtathletik aktiv und mein Kumpel wollte nicht alleine zum Probetraining gehen. Also habe ich gesagt: Okay, ich gehe einmal mit. Der Rest ist Geschichte. Ich habe mich direkt in diesen Sport verliebt und bin am Ball geblieben.
Was hat dich an diesem Sport von Anfang an am meisten fasziniert?
Mich hat vor allem der Teamgedanke fasziniert. Ich war dankbar für die Leichtathletik, aber dort hat mir immer ein richtiges Team gefehlt. Beim Football ist das anders. Egal ob groß, klein, schnell, langsam, kräftig oder eher schmal – für Menschen, die Football spielen wollen, gibt es irgendwo einen Platz im Team. Diese vielen unterschiedlichen Typen kommen auf einen Nenner und arbeiten gemeinsam auf ein Ziel hin. Das fand ich von Anfang an extrem cool.
Wenn du auf deine bisherige Football-Karriere zurückblickst: Welcher Moment bleibt dir besonders in Erinnerung?
Ein großes Highlight war auf jeden Fall die ELF Championship mit meinen Jungs aus Stuttgart. Nach allem, was wir in dieser Saison zusammen durchgemacht haben, war es einfach die perfekte Art, diese Zeit zu beenden. Für viele Jungs aus Stuttgart war es nach mehreren knapp verpassten Chancen ein besonderer Moment, und für mich war es ein Heimspiel, was das Ganze noch spezieller gemacht hat. Ich bin dankbar, dass ich dem Team helfen konnte, diese Championship nach Hause zu holen. Auf meine College-Karriere bezogen war auch der Alamo Bowl 2023 mit Arizona gegen Oklahoma ein besonderes Highlight. Es war eine Ehre, in so einem Bowl Game mitzuspielen und Teil einer Offense zu sein, die in diesem Jahr so dynamisch und erfolgreich war. Viele dieser Jungs spielen heute nicht mehr zusammen Football, deshalb ist das eine Erinnerung, die wir alle gemeinsam teilen können.
Was bedeutet dir der europäische Football persönlich?
Europäischer Football bedeutet mir sehr viel, weil wir gerade noch in einer Phase sind, in der der Sport hier Stück für Stück aufgebaut wird. Ich habe auch die andere Seite erlebt und in Amerika vor vielen Menschen gespielt. Dort ist Football eine der größten Sachen überhaupt. In Europa ist der Sport noch nicht überall so weit, auch wenn er wunderschön ist und meiner Meinung nach viel Entertainment bietet. Genau deshalb ist es für mich etwas Persönliches. Wir bauen hier gemeinsam etwas auf: eine Liga, ein professionelles Produkt, Strukturen und Aufmerksamkeit. Ich kann später sagen, dass ich von Anfang an Teil dieser Geschichte in Europa war. Das ist ein sehr cooles Gefühl.
Wie würdest du die Entwicklung des Footballs in Europa in den letzten Jahren beschreiben?
Ich bin ehrlich: Ich habe vor allem im letzten Jahr vieles intensiver verfolgt, weil ich davor durch meine College-Karriere sehr beschäftigt war. Was ich gesehen habe, war teilweise frustrierend. Manchmal werden große Entscheidungen getroffen, bei denen man das Gefühl hat, dass nicht immer das beste Interesse des Footballs in Europa im Mittelpunkt steht oder dass die Geduld fehlt. Es ist schade, wenn Strukturen oder Teams wegbrechen, an denen viele Menschen hängen. Gleichzeitig habe ich Hoffnung. Ich sehe gute Dinge, ich sehe Spieler, die weiter an den Sport glauben, und ich bin überzeugt, dass es in den nächsten Jahren besser werden kann.
Wie groß ist die Vorfreude bei dir und deinem Team auf die kommende Saison?
Die Vorfreude ist weiterhin riesig, auch wenn ich mit meiner Antwort etwas spät dran bin. Für mich ist immer noch vieles neu im Team. Ich lerne meine Teamkollegen immer besser kennen und habe gerade auch neue Erfahrungen gemacht, zum Beispiel mit der ersten Auswärtsfahrt nach Kopenhagen beziehungsweise zum Nordic Storm. Ich freue mich extrem auf diese Saison. Wir haben eine sehr professionelle Organisation, sehr coole Menschen, viele gute Spieler und gleichzeitig gute Charaktere. Wenn alle gesund bleiben, bin ich überzeugt, dass diese Saison sehr erfolgreich werden kann.
Was macht ein erstes Saisonspiel aus Spielersicht so besonders?
Ein erstes Saisonspiel ist immer besonders. Man spielt zum ersten Mal wirklich mit dem Team zusammen, alles ist mit neuen Abläufen verbunden, jedes Team hat eigene Gameday-Routinen, Traditionen und Pregame-Rituale. Für uns war es wichtig, gut in die Saison zu starten. Wir haben gewonnen, und am Ende zählt genau das. Gleichzeitig wissen wir, dass wir noch viel verbessern können. Es war ein gutes Gefühl zu sehen, dass wir klar gewinnen können und trotzdem noch Luft nach oben haben. Für die Franchise war das ein wichtiger Schritt.
Welche Identität soll dein Team in dieser Saison auf dem Feld zeigen?
Unser Ziel ist es, ein Team zu werden, gegen das niemand gerne spielt. Nicht, weil wir nur physischer sind, sondern weil wir das Spiel sehr genau betrachten, analysieren, vorbereiten und dann auch dementsprechend spielen wollen. Wir wollen ein Gegner sein, bei dem andere Teams schon vor dem Spiel denken: Darauf haben wir heute eigentlich keine Lust. Genau das ist unser Ziel: ein Team zu sein, gegen das keiner spielen will.
Was ist aus deiner Sicht entscheidend für eine erfolgreiche Saison: Talent, Disziplin, Kultur, Coaching oder Teamgeist?
Am Ende spielen alle diese Punkte eine Rolle. Unser Motto in diesem Jahr ist „Go from good to great“ – und genau das wollen wir in allen Bereichen leben. Das betrifft Physiotherapie, Practice, Film, Gym und die ganze Vorbereitung. Die Jungs haben mir oft gesagt, dass sie im letzten Jahr gut waren. Aber „great“ waren sie noch nicht, sonst hätten sie die Championship geholt. Dieses Jahr ist das Ziel, den nächsten Schritt zu gehen. Das bedeutet, wirklich in allem Elite zu werden, das Spiel extrem ernst zu nehmen und jedes Game so vorzubereiten, als wäre es ein Championship Game. Wenn wir das schaffen, werden wir erfolgreich sein.
Wie siehst du die Zukunft der EFA und des europäischen Footballs allgemein?
Ich habe Hoffnung, dass alles jedes Jahr professioneller wird. Natürlich braucht es dafür auch Geld, weil man ohne Geld langfristig schwer eine Liga aufbauen und erhalten kann. Gleichzeitig konzentriere ich mich vor allem auf das, was ich kontrollieren kann: auf dem Feld das bestmögliche Produkt zu bringen, gut zu spielen und meinen Teamkollegen zu helfen, gut zu spielen. Alles andere kann ich nur begrenzt beeinflussen. Aber ich glaube, dass jetzt Menschen am Steuer sind, die langfristig denken und die Geduld haben, so eine Liga aufzubauen. Deshalb hoffe ich, dass es Schritt für Schritt professioneller wird.
Was dürfen die Fans in dieser Saison von dir und deinem Team erwarten?
Die Fans dürfen erwarten, dass wir sehr guten Football spielen wollen. Wir haben extrem gute Coaches in unserem Staff und aus meiner Sicht Systeme, Spielzüge und Strategien, die nicht jedes Team in Europa nutzt. Durch die Erfahrung im Coaching können Fans Dinge sehen, die man vielleicht aus NFL- oder College-Strukturen kennt. Gleichzeitig haben wir elf Jungs auf dem Feld, die alles geben werden. Egal gegen wen wir spielen: Unsere Spieler sind hungrig, sie wollen sich beweisen, von good zu great gehen und 110 Prozent geben. Fan von uns zu sein, soll mit viel Spaß und Entertainment verbunden sein.
Welche Botschaft möchtest du allen Fans mitgeben, die den europäischen Football unterstützen?
Seid Teil dieses Prozesses. Ladet Freunde und Familie ein, teilt die kostenlosen YouTube-Streams, schickt Links in Gruppen, postet sie in eurer Instagram-Story und erzählt Menschen in Schule, Ausbildung oder Arbeit davon. Wenn jemand Football ausprobieren oder anschauen möchte, ist der Einstieg da. Ohne Fans macht das alles keinen Sinn. Es macht keinen Spaß, in leeren Stadien zu spielen. Mit vielen Fans wird jeder Gameday besser, erfolgreicher und auch für die Liga wertvoller. Deshalb: Seid Teil des Prozesses und helft mit, den europäischen Football größer zu machen.
Vielen Dank an Roberto Miranda für seine offenen und reflektierten Antworten. Sein Blick zeigt, wie viel Potenzial im europäischen Football steckt – aber auch, dass Geduld, Professionalität, Teamkultur und Fans entscheidend sind, damit aus guten Strukturen wirklich Großes entstehen kann.