Im Interview erzählt Roland Johannes, wie aus einem Hobby über Workshops, ein Probeshooting und die Munich Ravens ein beruflicher Weg wurde. Er erklärt, warum Football für ihn als Fotograf besonders intensiv ist, wie wichtig Fans, Timing und Erfahrung sind und welche Rolle Bilder und Videos für die Sichtbarkeit des Sports in Deutschland spielen.

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Roland, du bist Fotograf, Mediengestalter und mit der Kamera oft mitten im Geschehen. Wie bist du ursprünglich zur Fotografie und zur Arbeit mit Bild, Film und Events gekommen?

Zur Fotografie bin ich durch einen glücklichen Zufall gekommen. Die Arbeit mit der Kamera hat mir schon immer Spaß gemacht, damals allerdings noch als Hobby. Professioneller wurde es durch mehrere Workshops, die ich besucht habe.

Vor etwa vier Jahren nahm mich dann ein ehemaliger Arbeitskollege zu einem Probeshooting mit. In München wurde damals gerade ein neues Football-Team gegründet und dafür ein Media-Team zusammengestellt. Ich nutzte die Chance, war beim Shooting dabei und wurde anschließend Teil des Teams - und bin es bis heute.

Durch die Fotografie bei den Munich Ravens habe ich dann auch meinen heutigen Arbeitgeber kennengelernt. Heute arbeite ich seit vier Jahren als Fotograf und seit zwei Jahren zusätzlich als Mediengestalter.

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Was fasziniert dich besonders daran, Menschen, Sport und Emotionen mit der Kamera festzuhalten?

Schon als Kind haben wir in der Familie gerne gemeinsam Fotoalben angeschaut. Das war immer etwas Besonderes, weil man sich dadurch an viele schöne Momente und Situationen zurückerinnern konnte - außer vielleicht an die Babyzeit.

Genau das hat mich auch an der Fotografie begeistert. Ich möchte Momente festhalten, die Menschen auch Jahre später wieder in diesen Augenblick zurückversetzen. Egal ob beim Football, auf einem Konzert oder bei einem anderen besonderen Ereignis.

Außerdem finde ich es schön, Menschen an diesen Momenten teilhaben zu lassen, die nicht selbst dabei sein konnten. Ein gutes Foto kann Emotionen transportieren und Geschichten erzählen, ohne dass man viele Worte braucht.

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Auf deinem Profil sieht man viele starke Momente aus Sport, Events und Football. Was macht American Football für dich als Fotograf besonders spannend?

Was mich am Football besonders fasziniert, ist die Intensität und die Nähe zum Geschehen. Man ist oft mittendrin statt nur dabei - nah an den Spielern, nah am Spielfeld und nah an den Emotionen.

Ich habe mich auch schon in anderen Sportarten wie Fußball oder Volleyball versucht. Das hat ebenfalls Spaß gemacht, aber beim Football habe ich das Gefühl, die Emotionen und die Intensität des Spiels noch besser einfangen zu können. Die Freude nach einem Touchdown, die Enttäuschung nach einer Niederlage oder die Anspannung vor dem nächsten Spielzug - all das passiert direkt vor der Kamera.

Dazu kommt, dass ich schon seit vielen Jahren großer Football-Fan bin. Angefangen hat es bei mir, wie wahrscheinlich bei vielen anderen auch, mit dem Super Bowl. Aus Interesse wurde schnell Leidenschaft. Heute habe ich das Glück, diesen Sport nicht nur zu verfolgen, sondern ihn auch fotografisch begleiten zu dürfen.

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Football lebt von Härte, Tempo, Emotionen, Fans und kleinen Details am Spielfeldrand. Worauf achtest du bei einem Football-Shooting besonders?

Ich achte vor allem auf Abwechslung. Mal gehe ich ganz nah ran, um Emotionen einzufangen - Freude, Enttäuschung, Anspannung oder auch mal Wut. Dann gibt es wieder Aufnahmen, die einen Spielzug zeigen oder das gesamte Spielfeld mit all seinen Details.

Und natürlich dürfen wir die Fans nicht vergessen. Ohne die Fans wäre Football nur halb so emotional. Sie gehören genauso zur Geschichte eines Spiels wie die Spieler auf dem Feld.

Ich denke, wenn man all diese Zutaten berücksichtigt, entsteht sinnbildlich ein richtig guter Cocktail. Die Mischung aus Emotionen, Action, Atmosphäre und den Menschen macht am Ende eine Fotoserie aus, die man sich gerne anschaut.

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Viele Fans sehen am Ende nur das fertige Bild. Wie viel Vorbereitung, Timing und Erfahrung steckt in einem wirklich guten Sportfoto?

Am Ende kommt vieles durch Erfahrung. Je mehr Spiele man fotografiert, desto sicherer wird man und desto besser versteht man, worauf es ankommt. Mit am wichtigsten sind dabei aber die Fehler, die man am Anfang macht. Aus ihnen lernt man oft am meisten, auch wenn das manchmal nicht auf die angenehmste Art passiert.

Wenn ich an meine Anfangszeit zurückdenke und mir die Fotos von damals anschaue, frage ich mich oft, wer diese Bilder eigentlich gemacht hat. Man merkt erst mit der Zeit, wie sehr man sich weiterentwickelt hat.

Irgendwann kommt dann auch das Gespür für den richtigen Moment. Man lernt Situationen besser einzuschätzen und erkennt oft schon vorher im Spiel, wann etwas Besonderes passieren könnte.

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Du bist auch im Bereich Film, Event und Medienproduktion unterwegs. Wie unterscheidet sich deine Arbeit bei bewegten Bildern von der klassischen Fotografie?

Es gibt ja immer die Diskussion, was besser ist: Foto oder Video. Für mich haben aber beide ihre Berechtigung und ihre Stärken.

Ich habe das Glück, dass ich in meinem Beruf nicht nur fotografieren darf, sondern auch viel mit Bewegtbild und Liveproduktionen arbeite. Dabei habe ich festgestellt, dass es oft sogar schwieriger ist als in der Fotografie, den richtigen Moment zu erwischen, um eine Geschichte erzählen zu können.

Mit einem Film möchte man Geschichten erzählen, mit einer Liveproduktion Informationen vermitteln und Menschen erreichen. Genau das macht den Reiz für mich aus.

Ich liebe meinen Job, weil er unglaublich abwechslungsreich ist. Kein Tag ist wie der andere und man lernt ständig etwas Neues dazu. Viele Dinge, die ich bei Film- und Liveproduktionen lerne, helfen mir wiederum in der Fotografie - und umgekehrt.

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Welche Rolle spielen Bilder und Videos deiner Meinung nach, wenn es darum geht, Football in Deutschland sichtbarer und größer zu machen?

Ich denke, das ist unheimlich wichtig. Football ist in den USA Nationalsport, während er in Deutschland immer noch deutlich kleiner ist als beispielsweise Fußball. Umso wichtiger ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und ihnen zu zeigen, was für ein geiler Sport Football ist.

Je mehr Menschen man erreicht, desto größer ist die Chance, den Sport sichtbarer zu machen. Ich glaube, dass Football für viele immer noch etwas Fremdes ist, weil sie nicht damit aufgewachsen sind. Als Kind wurde man in Deutschland meistens zum Fußball geschickt. Meine Eltern hätten mich damals wahrscheinlich auch nicht zum Football gebracht - zum einen, weil der Sport noch nicht so bekannt war, und zum anderen, weil die Möglichkeiten einfach nicht so präsent waren wie heute.

Umso mehr freut es mich zu sehen, wie sich Football in den letzten Jahren entwickelt hat und wie viele neue Fans der Sport gewonnen hat. Manchmal frage ich mich, ob vielleicht auch das ein oder andere meiner Bilder einen kleinen Teil dazu beigetragen hat. Und das ist ein schöner Gedanke.

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Gibt es einen Moment, ein Spiel oder ein Shooting im Football-Bereich, das dir besonders im Kopf geblieben ist?

Da schießt mir sofort das Munich Game 2024 in den Kopf. Ich hatte damals die Möglichkeit, als Teamfotograf für die Carolina Panthers zu fotografieren. Das war einer der größten Momente meiner bisherigen Laufbahn und hat mich auch im Bereich der Sportfotografie enorm weitergebracht.

Ich denke noch heute gerne an diesen Tag zurück und bin sehr dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe. Es war nicht nur ein besonderes Erlebnis, sondern auch ein Moment, der mein berufliches Leben ein Stück weit verändert hat.

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Du kommst aus München und bist nah an der regionalen Sport- und Footballszene. Wie erlebst du die Entwicklung rund um Football, Fans und Medien in München?

Jetzt kommt erst einmal eine kleine Beichte: Ich komme ursprünglich aus dem schönen Saarland und bin vor etwa 15 Jahren nach München gezogen. Also bin ich mittlerweile fast schon eingebürgert.

Ich beobachte die Entwicklung des Footballs in München nun seit rund vier Jahren und was in dieser Zeit passiert ist, ist wirklich beeindruckend. Man sieht mehr Werbung in der Stadt, immer mehr Menschen tragen Merch der Teams und plötzlich läuft in der Tram ein Highlight-Clip vom letzten Spiel. Das sind oft nur kleine Dinge, aber genau solche Momente zeigen, wie sehr der Sport gewachsen ist.

Besonders deutlich wird das an den Spieltagen im Stadion. Wenn man sieht, wie viele Menschen mittlerweile dabei sind und welche Stimmung herrscht, erkennt man die Entwicklung ganz klar.

München hat mehr als nur ein Football-Team und deshalb ist der Zusammenhalt untereinander wichtig. Gerade am Anfang hatte ich manchmal das Gefühl, dass man sich eher als Rivalen gesehen hat. Umso mehr freue ich mich, dass heute immer mehr gemeinsam an einem Strang gezogen wird. Denn am Ende profitieren alle davon und nur so kann der Sport weiter wachsen.

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Was macht für dich ein gutes Sportbild aus: Technik, Nähe, Emotion, Storytelling - oder die Mischung aus allem?

Ganz klar die Mischung aus allem. Es bringt nichts, wenn ich ein technisch perfektes Bild mache, dabei aber keinerlei Emotionen transportiert werden.

Für mich wird ein Bild dann besonders, wenn man die Geschichte dahinter spüren kann. Wenn man beim Anschauen nachvollziehen kann, was in diesem Moment passiert ist oder wie sich die Person gefühlt hat. Genau das macht für mich ein gutes Sportbild aus.

Ich glaube aber auch, dass man diesen Blick erst mit der Zeit entwickelt. Erfahrung spielt dabei eine große Rolle. Und manchmal sind es am Ende die sogenannten Lucky Shots, die man nicht planen kann und die dann etwas ganz Besonderes werden.

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Wenn du dir die Zukunft des europäischen Footballs anschaust: Was müsste passieren, damit der Sport medial noch professioneller und attraktiver präsentiert wird?

Ich denke, man könnte sich einiges von den Amerikanern abschauen und davon das ein oder andere nach Deutschland übertragen. Oft sind es gar nicht die großen Dinge, sondern fehlende Informationen oder mangelnde Sichtbarkeit, die den Unterschied machen.

Je mehr Menschen man medial erreicht, desto größer ist die Chance, dass sie sich für den Sport interessieren und ihn für sich entdecken. Das ist allerdings ein Marathon und kein Sprint. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass der aktuelle Weg der richtige ist.

Wichtig ist jetzt, nicht den Mut zu verlieren und konsequent weiterzumachen. Je sichtbarer der Sport wird, desto mehr Menschen werden sich dafür begeistern können. Deshalb glaube ich, dass am Ende das Motto gilt: Viel hilft viel.

Wenn wir diesen Weg weitergehen, sehe ich eine sehr schöne Zukunft für den Football in Deutschland und in Europa.

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Zum Abschluss: Wenn Menschen später auf deine Bilder und deine Arbeit schauen - was sollen sie darin erkennen oder fühlen?

Das ist eine sehr schöne Frage.

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen die Idee und die Geschichte hinter meinen Bildern erkennen. Vielleicht können sie sich dadurch, wie schon erwähnt, wieder in einen bestimmten Moment zurückversetzen oder etwas fühlen, das sie mit diesem Augenblick verbinden.

Genau das macht für mich ein gutes Foto aus. Es hält nicht nur einen Moment fest, sondern erzählt auch eine Geschichte.

Und wer weiß, vielleicht hängen meine Bilder irgendwann einmal in einer Ausstellung und erzählen dort ihre eigenen Geschichten.

Vielen Dank für das Interview.

Vielen Dank an Roland Johannes für seine offenen Einblicke in Fotografie, Medienproduktion und Football. Seine Antworten zeigen, wie wichtig Bilder, Videos und echte Emotionen für die Entwicklung des Sports sind - auf dem Feld, am Spielfeldrand, in den Stadien und für alle Menschen, die Football erst durch diese Geschichten entdecken.