Ein Gespräch mit einer der bekanntesten Stimmen des deutschen Footballs: Roman Motzkus blickt auf seine aktive Zeit, seine Medienarbeit und die aktuelle Entwicklung des Sports in Deutschland und Europa.

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Roman, du bist seit vielen Jahren eines der bekannten Gesichter und Stimmen im deutschen Football. Wenn du heute zurückblickst: Was war der Moment, in dem American Football für dich mehr wurde als nur ein Sport?

Das war nicht ein spezifischer Zeitpunkt. Das fing schon während meiner aktiven Zeit an, als mich damals 1990/91 Premiere angesprochen hat, um bei ihren Football-Übertragungen zu helfen. Anfangs als Berater, dann relativ schnell auch als Sprecher und Redakteur. Da wurde mir schnell bewusst, dass Football mehr als nur ein Hobby für mich ist. Seitdem beeinflusst der Sport mein Leben.

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Du hast selbst gespielt, unter anderem bei den Berlin Adlern, und später den Sport aus Medien- und Expertenperspektive begleitet. Wie sehr hilft dir die eigene Spielerfahrung bis heute bei deiner Arbeit als Kommentator und Experte?

Es hilft immer, wenn man die Dinge nicht nur von außen betrachtet, sondern aus Erfahrung sprechen kann. Welche Gedanken einem als Spieler, Coach oder Funktionär in bestimmten Situationen durch den Kopf gehen. Und wie man mit der Drucksituation, zum Beispiel vor einem Finale, umgeht. Auch wie man mit Erfolgen und Rückschlägen umgeht. Wenn man zum Beispiel eine schwere Verletzung auskurieren muss und eigentlich schon längst wieder spielen möchte, oder wie es ist, nach so einer Erfahrung wieder auf dem Feld zu stehen, kann ein Außenstehender nur schwer nachvollziehen.

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Viele Fans kennen dich vor allem aus den NFL-Übertragungen. Was macht für dich eine gute Football-Übertragung aus – Fachwissen, Emotion, Unterhaltung oder die richtige Mischung aus allem?

Es sollte in erster Linie um den Sport und das Geschehen auf dem Rasen gehen. Natürlich kann man auch mit einem lockeren Spruch eine Situation mal auflockern, aber es sollte nie ins Lächerliche gezogen werden. Emotionen sind gut, in einem gewissen Rahmen. Wenn man nur noch herumblödelt oder herumschreit, ist es zu viel. Am besten können gute Bilder und fundierte Hintergründe die Faszination des Footballs wiedergeben.

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Du hast den Football-Boom in Deutschland über viele Jahre miterlebt. Was hat sich aus deiner Sicht am stärksten verändert – bei den Fans, den Medien und der Wahrnehmung des Sports?

Es gibt mehr Aufmerksamkeit für den Sport, aber auch viel mehr Meinung. Es stört mich inzwischen schon etwas, dass sich Leute als Experten oder Influencer betiteln, die sich erst seit Kurzem ernsthafter mit dem Sport befassen. Generell begrüße ich es aber, dass sich mehr Menschen für Football begeistern und dass man viele Gespräche darüber führen kann.

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Die NFL ist in Deutschland heute so sichtbar wie nie. Gleichzeitig kämpfen GFL, EFA, AFLE und andere europäische Strukturen um Aufmerksamkeit. Was braucht der europäische Football, um langfristig stärker wahrgenommen zu werden?

Es bedarf solider Arbeit, langfristiger Arbeit und Investitionen in den Sport. Es hilft nicht, wenn kurzfristig immer wieder neue Projekte aus dem Boden gestampft werden. Die Entwicklung des Footballs ist ein Marathon und kein Sprint. Die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung sollte über gute Verbandsarbeit, auch auf internationaler Ebene, geführt werden. Da hilft natürlich auch, dass Flag Football olympisch geworden ist. Dadurch werden Mittel und Aufmerksamkeit generiert, die langfristig auch dem Tackle Football zugutekommen.

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Du kennst die deutsche Football-Szene schon aus Zeiten, in denen der Sport deutlich kleiner war. Was sollte der heutige Football aus dieser früheren Zeit unbedingt bewahren?

Tradition und den Fokus auf den Sport. Mit Football kann man noch kein Geld verdienen. Das wird auch noch eine Weile dauern. Früher war auch die Einstellung der Spieler und Verantwortlichen noch eine andere. Es war etwas Besonderes, Football zu spielen. Zwischendurch war es eher eine Modeerscheinung. Inzwischen gibt es aber Bemühungen, den Sport in Richtung Professionalität zu führen. Das ist die richtige Richtung.

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Wenn du auf die GFL schaust: Wo siehst du aktuell ihre größte Stärke – und wo müsste sie sich deiner Meinung nach am dringendsten weiterentwickeln?

Der Vorteil der GFL, beziehungsweise des Verbandsfootballs im Allgemeinen, ist die langfristige Ausrichtung. Es dauert eine Weile, um einen Verband zu reformieren. Das ist so, als wollte man einen Öltanker mal schnell wenden. Das geht nicht. Aber über gute Nachwuchsförderung, vernünftige Öffentlichkeitsarbeit und Fokus auf das Wesentliche kann das funktionieren. Die Reform der GFL und der GFL2 ist ein wichtiger Schritt. Zum Beispiel, dass die GFL-Konferenz jetzt 15-mal bei Sporteurope.tv und 11-mal bei DF1 frei empfangbar zu sehen ist, hilft bei der Wahrnehmung. Wenn diese Entwicklung weiter so geht, wird man in Zukunft noch mehr Football im TV und Stream sehen – auch auf prominenteren Sendern und Portalen.

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European Football ist aktuell im Umbruch: neue Ligen, neue Projekte, neue Medienformate, aber auch viel Diskussion. Wie bewertest du diese Entwicklung grundsätzlich?

Ich sehe das sehr kritisch. Ein Franchise-System à la NFL wird im europäischen Sportsystem nur schwer umsetzbar sein. Der Sport hierzulande ist verbands- und vereinsorientiert. Das fängt schon damit an, dass Firmen andere Zugänge zu Spielorten und Personal haben. Wenn man für eine GmbH spielt oder coacht, muss es einen gültigen Arbeitsvertrag geben. Das halte ich für einen so großen Kader noch nicht für finanzierbar. Arbeitsrechtlich und versicherungstechnisch stehen da sehr große Hürden im Raum. Um das alles zu finanzieren, braucht man schon sehr große Taschen. Die Zerstückelung der europäischen Ligen hat da auch nicht wirklich geholfen. Der Casual Fan weiß ja schon kaum noch, wer in welcher Liga gegen wen spielt und wo die Spiele zu sehen sind.

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Du hast schon unzählige Spiele gesehen und begleitet. Was bleibt bei dir eher hängen: große sportliche Momente, besondere Spieler oder die Geschichten hinter den Menschen?

Für mich selbst sind die sportlichen Highlights in bester Erinnerung. Sei es, als Spieler in einem Finale zu stehen oder für sein Land in der Nationalmannschaft aufzulaufen. Als Reporter und Footballfan sind es die Momente, in wichtigen Spielen dabei zu sein – beim Super Bowl, den Championship Games in den USA, bei den Spielen in London, Berlin, München oder Frankfurt. Aber auch die Begeisterung und der Einsatz der Vereine und Fanclubs, wenn sie ein Event auf die Beine stellen, um ihrem Verein die größtmögliche Bühne zu bieten, ist absolut sehenswert. Und dann den Kontakt zu den Menschen zu haben und mit ihnen über ihren Sport zu reden, macht das Ganze besonders. Ich unterhalte mich gerne über Football und höre mir auch gerne die Meinung der Leute an. Egal ob NFL-Profi oder Football-Neuling vor dem Fernseher und im Stadion. Für mich ist jeder Mensch interessant: wie er zum Sport gekommen ist und was er daran liebt. Die Geschichten dazu sind immer wieder schön zu erfahren.

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Gerade junge Fans lernen Football oft über Social Media, Highlights und kurze Clips kennen. Ist das für den Sport eher Chance, Herausforderung oder beides?

Ohne Social Media wird es heute nicht mehr gehen. Damit füttert man heute die Menschen an. Wer dann mehr erfahren möchte, findet schnell weitere Quellen, um tiefer einzusteigen.

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Was macht für dich einen richtig guten Football-Experten aus – und was sollte man als Kommentator niemals vergessen, wenn man ein Spiel begleitet?

Ein guter Football-Experte hat den Blick für die entscheidenden Situationen und das nötige Wissen, um diese zu erkennen. Dazu sollte er versuchen, dieses Wissen auch noch leicht und verständlich rüberzubringen. Als Kommentator sollte man immer den Fokus auf die Begleitung des Spiels und das Drumherum im Auge behalten. Nichts ist größer als der Sport an sich. Das gilt auch für Kommentatoren und Experten.

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Wenn du dem deutschen und europäischen Football für die nächsten Jahre einen Wunsch mitgeben könntest: Was müsste passieren, damit der Sport hier nachhaltig wächst und trotzdem seine besondere Football-Community behält?

Seid nett zueinander und genießt den Sport. Geht zu den Vereinen und unterstützt den weiteren Aufbau des Footballs – entweder durch ehrenamtliche Hilfe, sportliches Engagement oder einfach nur als Zuschauer in den Stadien und am TV. Und erzählt euren Freunden und Familien, wie schön der Sport American Football sein kann.

Vielen Dank für das Interview.

Ein großes Dankeschön an Roman Motzkus für die offenen und klaren Antworten. Seine Perspektive zeigt, wie viel Erfahrung, Leidenschaft und kritischer Blick nötig sind, um Football in Deutschland und Europa nachhaltig weiterzuentwickeln.